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Spürnasen suchen nach Vermissten

Zum DRK-Kreisverband Wanzleben gehören Frauen und Männer, die mit Hunden als Rettungshundestaffel nach vermissten Personen suchen.

Der Wald und die freien Flächen in der Naturlandschaft sind ihr Einsatzgebiet. Immer, wenn ein Mensch im Bördekreis oder sonstwo im Land vermisst wird, kommt die Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbandes Wanzleben zum Einsatz. Die elf Frauen und Männer mit ihren 15 Hunden sind im Auffinden von „abgängigen Personen“, wie es in der Polizeisprache heißt, geschult. Das können verwirrte Menschen aus Altenheimen sein oder Menschen, die keinen Ausweg mehr aus einer persönlich schwierigen Situation finden.

„2017 hatten wir bereits fünf Einsätze“, sagt Bernd Alpert, Leiter der Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbandes Wanzleben. Die Anzahl der Einsätze nehme stetig zu. Seit der Indienststellung der Wanzleber Rettungshundestaffel im Jahr 2014, absolvierten die Mitglieder und ihre Hunde 18 Einsätze. Den aufwändigsten Einsatz hatten Alpert und seine Kameraden jedoch vor zwei Jahren bei der Suche nach der vermissten, damals fünfjährigen Inga aus Schönebeck im Wald bei Uchtspringe im Altmarkkreis Stendal. Jedoch ohne Erfolg. Das Mädchen wird bis heute vermisst.

Um in die Lage zu kommen, mit Hunden nach vermissten Menschen zu suchen, müssen die Retter mit ihren Vierbeinern eine knallharte Ausbildung absolvieren. Nach der Gründung der Wanzleber Rettungshundestaffel im Jahr 2012 habe es nach ersten Prüfungen von Mensch und Tier 2013 bis 2014 gedauert, bis sich die Abteilung beim Landkreis Börde voll einsatzfähig melden konnte.

Zwei Mal in der Woche treffen sich die Frauen und Männer der Wanzleber DRK-Rettungshundestaffel, die auch ausgebildete Sanitäter sind, mit ihren Hunden zur Ausbildung. Immer mittwochs und jeden Sonntagvormittag investieren sie viel Zeit in die Ausbildung, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Dann sind die ehrenamtlichen Retter unter anderem mit ihren Belgischen Schäferhunden, Riesenschnauzern oder Irish Terriern in Wäldern des Landkreises Börde unterwegs und üben unter realistischen Bedingungen das Auffinden von Vermissten. Immer in Absprache mit den Jagdpächtern ihrer Übungsgebiete, die unter anderem in Wäldern bei Zielitz, Harbke, Weferlingen, Borne oder im Klein Wanzleber Park liegen, wie Alpert versichert.

Die Hunde würden dabei Geruchsstoffe aus der Luft wahrnehmen, die die Vierbeiner und ihrer Führer schließlich auch in unwegsamem und unübersichtlichem Gelände zu den vermissten Personen leiteten. Habe der Hund die Person gefunden, belle er solange, bis der Hundeführer da sei. „Wir möchten helfen, Leben zu retten“, verdeutlicht Alpert. Deshalb seien die Hunde für die Suche nach Lebenden ausgebildet und nicht nach Toten. Neben der Ausbildung mit ihren Hunden absolvieren die ehrenamtlichen Retter, die aus Gutenswegen, Weferlingen, Wolmirstedt, Klein Wanzleben und Staßfurt stammen und zwischen Mitte 20 Jahre und Mitte 50 Jahre alt sind, einmal im Monat eine medizinische Ausbildung.

Bis zu drei Jahre dauere die Ausbildung eines Vierbeiners bis er als Rettungshund eingesetzt werden könne. Zuvor müssten Tier und Mensch jedoch ein anspruchsvolles Verfahren nach der Prüfungsordnung des Deutschen Roten Kreuzes durchlaufen. Die sieben geprüften Teams aus Menschen und Hunden müssen diesen Nachweis alle zwei Jahre neu erbringen.

Wie Bernd Alpert berichtet, gehört die Staffel heute zum Bereitschaftssystem des Rettungs- und Katastrophenschutzdienstes des Kreises. Obwohl Rettungsleitstelle und Polizei bei der Suche nach Vermissten immer wieder auf die Dienste der Rettungshundestaffel zurückgreifen, sei sie noch immer kein „offizielles Einsatzmittel des Landkreises Börde“, bemängelt Stephan Dill, Abteilungsleiter Hilfsgesellschaft, Kinder, Jugend und Soziales beim DRK-Kreisverband Wanzleben und verantwortlich für die Rettungshundestaffel. „Wir stellen der Gesellschaft ehrenamtlich ein Hilfspotenzial zur Verfügung“, verdeutlicht Dill.

Deshalb sei es aus seiner Sicht wichtig, dass der Kreis die Rettungshundestaffel als offizielles Hilfsmittel anerkenne wie es Landrat Hans Walker (CDU) bereits 2014 versichert habe. Die Anerkennung sei wichtig, weil sie den Status der ehrenamtlichen Retter verbessere. Damit seien die Retter und ihre Hunde bei Einsätzen über den Landkreis versichert und könne über den Kreis ebenso eine Lohnfortzahlung für die Zeit des Einsatzes erfolgen. Zwar seien die Mitglieder jetzt über den DRK-Kreisverband versichert, doch könne der Verband keine Lohnfortzahlung leisten.

„Der DRK-Kreisverband Wanzleben hat mit Schreiben vom 1. August 2014 den Landkreis ersucht, die DRK-Rettungshundestaffel Wanzleben als Hilfsmittel für bestimmte Lagen aufzunehmen. Daraufhin hat der Landkreis Börde die Rettungshundestaffel als Einsatzpotenzial im Leitstellensystem der Integrierten Leitstelle des Landkreises Börde hinterlegt“, macht Rainer Lütge, Sachgebietsleiter beim Fachdienst Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises Börde, auf Volksstimme-Nachfrage deutlich. Darüber hinaus sei die Hundestaffel für die Einsatzabarbeitung und -unterstützung in Großschadenslagen und Katastrophen im Katastrophenabwehrkalender als Hilfeleistungspotenzial erfasst worden. Diese Vorgehensweise und der rechtliche Rahmen sei durch den Landkreis mit Vertretern des DRK-Kreisverbandes Wanzleben erörtert worden, so der Sachgebietsleiter.

Volksstimme, 27.08.2017 (Mathias Müller)

27. August 2017 16:17 Uhr. Alter: 24 Tage