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DRK taucht in die Vergangenheit ein

Mit den Verbrechen der Nationalsozialisten haben sich 40 Teilnehmer eines Projektes des DRK-Kreisverbandes Wanzleben auseinandergesetzt.

Im Rahmen des Projektes „Geschichte erleben“ fuhren 40 Jugendliche und Erwachsene aus dem DRK-Kreisverband Wanzleben dieses generationsübergreifenden Vorhabens nach Krakau und in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz nach Polen. Die Schwerpunkte lagen laut DRK auf Demokratie- und Toleranzerziehung, interkulturellem und interreligiösem Lernen sowie auf antirassistischer Bildungsarbeit.

„Die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Geschichte und Gegenwart zu stärken und individuelles Engagement zu fördern, ist das Ziel unseres Projektes“, sagte Yvonne Kirchhoff, Leiterin der DRK-Begegnungsstätte Kroppenstedt, die das Projekt mit weiteren Kollegen begleitete.

Nach einer mehrstündigen Busfahrt kamen die Besucher aus der Börde in ihrem Krakauer Hotel an und ließen sich zur Stärkung zunächst in einem Restaurant das Abendessen schmecken. Noch am Abend erkundeten sie die Stadt mit dem historischen Marktplatz bei einem Rundgang.

Am nächsten Morgen begann das Programm des Projektes. Zuerst standen die Besichtigung des ehemaligen jüdischen Ghettos in Krakau mit viel Hintergrundwissen über die jüdische Geschichte und Tatsachenberichten zu Schicksalen der im Ghetto lebenden Menschen und über ihre schockierenden Lebensbedingungen auf dem Plan. Danach besichtigten die Besucher die Fabrik von Oskar Schindler, dem es gelang, viele Juden vor der Ermordung durch die Nazis zu retten.

„In fast zwei Stunden bekamen die Teilnehmer einen Überblick über das Leben und Wirken von Oskar Schindler und seinen Leistungen“, hieß es im Bericht des DRK-Kreisverbandes Wanzleben. Ebenso sei das Leben der jüdischen Bevölkerung in Krakau kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beleuchtet worden. Insbesondere standen die menschenverachtenden Machenschaften der Nationalsozialisten nicht nur zur systematischen Vernichtung der Juden und bestimmter polnischer Bevölkerungsgruppen im Mittelpunkt.

Im Anschluss besuchten die Gäste aus der Börde das jüdische Viertel von Krakau und besichtigten die Synagoge und den jüdischen Friedhof. Dort bekamen sie viele Informationen zur Religion und zur Geschichte der Juden, die ihnen zeigten, dass es in der Geschichte schon immer Epochen gegeben habe, in denen Juden für Ereignisse verantwortlich gemacht, verfolgt und ermordet worden seien.

Nach acht Stunden endete die eindrucksvolle Besichtigungstour mit dem Besuch der weltbekannten Marienkirche mit ihrem berühmten Altar. Die Teilnehmer nutzen die freie Zeit im Anschluss, um in kleinen Gruppen den Tag besinnlich ausklingen zu lassen.

Am nächsten Tag fuhren die Teilnehmer des Geschichtsprojektes in das 70 Kilometer entfernte Oświęcim (Auschwitz). In zwei Gruppen wurden das Stammlager Auschwitz I und anschließend das über 100 Hektar große Lager Auschwitz Birkenau besichtigt. Durch die polnischen Reiseleiter bekamen die Teilnehmer sehr emotional und ergreifend die Fakten über die systematische Vernichtung der Juden vermittelt.

„Besonders ergreifend war die Ausstellung von zwei Tonnen echtem Menschenhaaren, die zur industriellen Weiterverwertung vorgesehen waren sowie vieler Alltagsgegenstände, die den Juden bei ihrer Ankunft im Lager abgenommen wurden bevor der größte Teil von ihnen direkt in die Gaskammern zur Vernichtung gebracht wurde“, berichtete das Wanzleber DRK.

Nach der sechsstündigen Besichtigung fuhren die Teilnehmer ins Hotel nach Oświęcim, wo die Jugendlichen und Erwachsenen erstmal die vielen Eindrücke für sich oder in kleinen Gruppen verarbeiten mussten oder die Emotionen mit anderen Teilnehmern teilen konnten.

„Ich fand die Projektfahrt sehr spannend und interessant. Man hatte die Möglichkeit, viele neue, jedoch auch erschreckende Dinge zu erfahren. Ich denke, dass man wirklich erst durch so eine Teilnahme richtig realisieren kann, was da früher alles passiert ist. Die Stadtführung im Voraus hat dabei geholfen, bestimmte Zusammenhänge besser verstehen zu können“, berichtete Teilnehmerin Marie Heinrichs von ihren Erfahrungen.

Abgesehen von den ganzen neuen Eindrücken und Erfahrungen, fand sie die Atmosphäre der gesamten Fahrt toll. Sie habe schnell neue Kontakte geknüpft und sich auf Anhieb wohlgefühlt.

„Schon bevor wir die Gedenkstätte betraten, hatte ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was ich wohl erleben werde, und habe mich im Vorfeld auch durch Bücher und Filme darüber Informiert. Was dort beschrieben war, konnte ich mir gar nicht richtig vorstellen, doch durch die Besichtigung und die Zeit in Krakau ist mir einiges klar geworden. Die Besichtigung mit einer erfahrenen Leitung war sehr spannend und lehrreich und ich habe nun eine ganz andere Sichtweise auf die Geschichte. Ich finde, dass jeder die Chance haben sollte, die Gedenkstätte zu besuchen und dass wir aus der Geschichte lernen sollten“, sagte Leon Sellmann.

Die Teilnehmer an der Bildungsreise nach Polen haben ihre Fahrt in einem Film dokumentiert. Er soll bei Veranstaltungen der interessierten Öffentlichkeit im Gebiet des DRK-Kreisverbandes Wanzleben bei Diskussionsrunden gezeigt werden.

Volksstimme, 10.07.2018 (Mathias Müller)

11. Juli 2018 12:17 Uhr. Alter: 130 Tage