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Zahl der Tafelkunden ist gestiegen

Wie sich das Soziale Zentrum "Alter Bahnhof" in Wanzleben um Bedürftige kümmert.

Es herrscht schon seit dem frühen Morgen Betrieb im Sozialen Zentrum in Wanzleben. Die 19 Mitarbeiter, unter denen viele ehrenamtliche Helfer sind, wuseln geschäftig durch die Räumlichkeiten. In der Küche wird bereits das Mittagessen vorbereitet, im Kleiderladen schauen Interessenten nach Wintersachen und zusätzlich werden gerade Waren angeliefert.

„Da kommen wir natürlich ordentlich auf Touren“, sagt die Leiterin Barbara Schürmann beim Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme. Alle packen gehörig mit an und im Nu sind die Waren ausgeladen. Im Küchenbereich werden sie gesichtet und sortiert. Mit dabei ist natürlich Barbara Schürmann. „Die Kontrolle wird sorgsam vorgenommen“, erzählt sie. „Es ist auch durchaus nötig, hier noch einmal genau hinzuschauen.“ Die Spenden aus den Supermärkten der Region werden gern entgegengenommen und sind sehr oft gut zu verwenden. „Allerdings gibt es auch schwarze Schafe, die uns als eine Art Entsorger missbrauchen“, erklärt die Chefin. „Die Fälle sind selten, aber sie kommen nun einmal vor.“ So dürfe vom Mindesthaltbarkeitsdatum her abgelaufenes Hackfleisch nicht weitergegeben werden.

Nach der Sichtung machen sich die Mitarbeiter daran, die Pakete für die Bedürftigen zur Ausgabe vorzubereiten. „Wir geben 120 Pakete in der Woche aus, 15 werden von uns angeliefert.“ Wer die Waren vor Ort abholt zahlt dafür 3,50 Euro, die Lieferungen kosten 5 Euro. Enthalten ist jeweils ein Warenwert von etwa 30 Euro. Abholtage sind dienstags, donnerstags und freitags. „Ein Paket zählt für bis zu drei Personen, zwei Pakete für sechs, über sechs Personen bekommen drei Pakete“, sagt Barbara Schürmann. „Es besteht auch die Möglichkeit, die Waren auf mehrere Tage aufzuteilen.“

Wer sich eindecken darf, wird genauestens überprüft. So müssen Bedürftige ihren Hartz IV-Bescheid vorlegen oder den Wohngeldantrag, auch auf Aktualität wird geachtet. „Bedürftige aus den anderen Bereichen des Landkreises müssen sich bei ihren Tafeln eindecken“, erläutert die Leiterin. „Die gibt es noch in Wolmirstedt, Haldensleben und Oschersleben und sie werden vom DRK-Kreisverband Börde als Träger unterhalten.“ In der Sarrestadt ist es der Kreisverband Wanzleben. Die Zahl der Empfänger ist über die Jahre angewachsen, speziell Rentner machen einen Großteil der Kunden aus. In Wanzleben gibt es zudem die Suppenküche. Hier werden von Dienstag bis Freitag warme Gerichte angeboten für jeweils 2,50 Euro.

„Es gibt viele Leute, die einfach dankbar dafür sind“, sagt Barbara Schürmann. „Allerdings meinen einige, dass zu einem richtigen Essen unbedingt Fleisch gehört. Da ist dann Diskussionsbedarf vorhanden. Allerdings macht uns so etwas auch manchmal etwas traurig.“ Regional sehr ungewöhnliche Gerichte werden den Gästen auch schon einmal gesondert vorgestellt. „Es ist schließlich so, dass wir mit dem Arbeiten müssen, was wir gespendet bekommen“, erklärt die Leiterin.

Einen gesonderten Kleiderbereich gibt es im Sozialen Zentrum auch. Hier sind auch Hygieneartikel und Mobiliar erhältlich. „In der Region gibt es 30 Kleidercontainer des DRK-Kreisverbandes“, erzählt die Chefin. „Von dort bekommen wir Nachschub. Wobei die Container oftmals von gewissenlosen Zeitgenossen ausgeräubert werden, wie zuletzt in Klein Germersleben geschehen.“

Barbara Schürmann würde sich mehr Unterstützung von Firmen wünschen, die vielleicht auch einmal ausgesonderte Neuware spenden könnten. „Besonders den Bund sehe ich aber in der Pflicht, denn das DRK kümmert sich ja gerade für den Staat um die Bedürftigen und schreibt dabei Minuszahlen“, bringt sie vor. „Der Bundesverband der Tafeln steht da gerade in Verhandlungen mit den Politikern.“ Viele Tafeln im Bundesgebiet agieren zudem als Vereine und haben enorme finanzielle Probleme bei der Aufrechterhaltung der Versorgung.

Volksstimme, 25.10.2019 (Christian Besecke)

28. Oktober 2019 10:32 Uhr. Alter: 15 Tage